Einfluss und Wirkung von Medien

Die Frage nach der Wirkung von Medien ist so alt wie die Medien selbst. Wurde im frühen 18. Jahrhundert befürchtet, dass das Buch zu Faulheit verleite, ist es heute die Angst vor dem schädlichen Einfluss der sozialen Medien auf Kinder und Jugendliche, die manche Politiker:innen, Eltern und Lehrer:innen umtreibt.

Um den Einfluss der Medien auf die individuelle und gesellschaftliche Entwicklung nicht auf Grundlage von Vorbehalten oder Ängsten zu bewerten, ist es notwendig, die Wirkung von Medien zu verstehen.

Zur Frage «Wie wirken Medien und welchen Einfluss haben sie auf unsere Persönlichkeitsentwicklung?» gibt es unterschiedlichste Zugänge und Antworten. Im Folgenden sind die aus unserer Sicht für die Medienbildung in der Schule relevantesten Modelle zur Medienwirkung dargestellt.

Lernen am Modell

Folgt man der sozial-kognitiven Lerntheorie, erlernen Menschen bestimmte Verhaltensweisen auf der Grundlage der Beobachtung von Modellen, die ihnen unter anderem in den Medien zur Verfügung gestellt werden. Allerdings muss zwischen dem Erwerb potenzieller Verhaltensweisen und deren Ausführung unterschieden werden. Im Kontext der Gewaltdebatte etwa, wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Übernahme aggressiven Verhaltens aus medialen Angeboten u.a. davon abhängt, ob das beobachtete Modell mit seinem Verhalten erfolgreich ist und ob eine signifikante Ähnlichkeit mit der Lebenswelt der Rezipienten besteht. Das Spielen gewalthaltiger Computerspiel macht also nicht automatisch gewalttätig. Wenn Gewalt allerdings als Mittel der Problemlösung im Umfeld der Schüler:innen anerkannt ist, erhalten die in den Medien zur Verfügung gestellten Modelle und deren Verhalten zumindest eine entsprechende Aufmerksamkeit.

Agenda Setting

Medien bestimmen über welche Themen gesprochen wird und steuern die Aufmerksamkeit des Publikums. Was in den Medien berichtet wird, scheint wichtig zu sein und prägt den öffentlichen Diskurs. Medien definieren also das, worüber geredet wird. Wenn häufig über ein gesellschaftliches Thema berichtet wird, kann dieses ein «Übergewicht» bekommen und als besonders schwerwiegend wahrgenommen werden, während andere Themen, über die wenig berichtet wird, harmlos erscheinen.

Gatekeeping

Nahe an dem oben genannten Agenda Setting Ansatz sind Überlegungen zur Gatekeeping Funktion von Medien. Hier wird davon ausgegangen, das Medienschaffende wie Autoren, Fotografen, Redakteure durch eine Auswahl dessen, was an einem Ereignis berichtenswert ist, die Funktion von Gatekeepern übernehmen. Dies bedeutet einerseits, dass dem Publikum bestimmte Dinge vorenthalten werden können. Positiv gewendet, bedeutet dies aber auch, dass z.B. Journalist*innen im Bewusstsein ihrer Position für die Einhaltung journalistischer Standards sorgen, indem sie z.B. verschiedene Perspektiven in der Berichterstattung einnehmen.

Uses and Gratifications

Bei der Auswahl bestimmter medialer Angebote spielen die Vorlieben der Rezipient:innen ebenfalls ein Rolle. Medien können dann eine Wirkung entfalten, wenn sich Rezipienten diesen bewusst zuwenden und sich eine Bedürfnisbefriedigung versprechen. Themen und Inhalte, die dem eigenen Standpunkt entsprechen, erhalten dementsprechend häufig eine höhere Aufmerksamkeit als der eigenen Meinung widersprechende. Dies kann im Zweifelsfall zu einer selektiven Wahrnehmung führen, in der die eigene Meinung immer wieder bestätigt wird.

two step flow – opinion leader

Nicht nur die persönliche Vorliebe für bestimmte Medien spielen eine Rolle, wenn wir herausfinden wollen, wie Medien wirken. Auch die Einstellungen, Vorlieben und Meinungen der uns wichtigen Personen beeinflusst uns. Unsere Einschätzung und Bewertung der von den Medien berichteten Themen hängt von der Einschätzungen anderer, für uns «wichtiger» Personen ab. Diese Opinion Leader beeinflussen uns mit ihrer Meinung zu einem in den Medien transportierten Thema. Opinion Leader können im Freundes- und Familienkreis aber auch in den Sozialen Medien Einfluss auf die Meinungsbildung nehmen.

Und in der Praxis?

Zur praxisnahen Erklärung des Themas bietet sich der Beitrag des bayrischen Rundfunks zur Entstehung eines Nachrichtenbeitrages an.
Weiterhin eignen sich praktische, handlungsorientierte Angebote zur Auseinandersetzung mit der Frage der Medienwirkung für den Einsatz in der Schule. Wenn Schüler:innen eigene Medienbeiträge produzieren und sie anhand der 3 Wirklichkeiten einschätzen, lernen sie die Funktionsweise und die Wirkmechanismen unmittelbar kennen.

BY Konsortium MIA21
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